Liebe und Gegenliebe – chemisch bewiesen

Für sechs Wochen hat uns Christian Tiesmeyer als Praktikant zur Seite gestanden. Unter anderem hat er sich um unsere Bibliografie verdient gemacht, und englische und deutsche Zusammenfassungen der Artikel erstellt. Der folgende Beitrag ist von ihm.

„Schnelle Geburt“ bedeutet der Name des Hormons Oxytocin, wenn man es aus dem Altgriechischen übersetzt. Kein Wunder, denn es beschleunigt den Geburtsprozess und sorgt für eine starke Bindung zwischen Mutter und Kind. Das Hormon hat bei vielen Formen sozialer Interaktion eine ganz besondere Bedeutung. Es fördert das soziale Miteinander, lindert Ängste und Stress und verstärkt die Zuneigung und das Vertrauen in andere Menschen. Für das Wohlbefinden ist Oxytocin also ein ganz wichtiger Faktor.

Blickkontakt mit Tieren fördert die Produktion von Oxytocin
Interaktionen mit einem Hund rufen beim Menschen ganz ähnliche Effekte hervor. So wurde ein verbessertes Sozialverhalten oder eine Reduzierung von Ängsten und Stress durch Kontakt zu Hunden festgestellt. Daher wurde vermutet, dass Oxytocin nicht nur bei menschlicher Kommunikation entsteht, sondern auch bei sozialer Interaktion zwischen Mensch und Hund ausgeschüttet wird.

Diese Annahme wurde in einer Studie überprüft, die die Oxytocin-Werte vor und nach der Interaktion mit einem Hund überprüft hat. Nach dem Kontakt mit Hunden wurde ein erhöhter Oxytocin-Wert festgestellt. Besonders hoch waren die Werte, wenn Blickkontakt durch den Hund initiiert und lange gehalten wurde. Es konnte also ein Zusammenhang zwischen den positiven Auswirkungen durch Kontakt mit Hunden und der Ausschüttung von Oxytocin festgestellt werden. Interaktionen mit Hunden regen die Ausschüttung des Hormons an, das glücklich macht und die Bindung verstärkt.

Bei sozialer Interaktion zwischen zwei Menschen steigt die Oxytocin-Konzentration bei beiden Teilnehmern. Daher stellt sich zwangsläufig die Frage, ob auch Hunde beim Kontakt mit Menschen von der Interaktion profitieren und Oxytocin erzeugen.
Und tatsächlich: Auch beim Hund wurde eine Erhöhung der Oxytocin-Konzentration festgestellt. Es ist denkbar, dass dieser erstaunliche Effekt der Bindung zwischen Mutter und Kind ähnelt. Das gesteigerte Oxytocin sorgt dafür, dass sich der Mensch dem Hund stärker zuwendet. Dieser produziert ebenfalls mehr Oxytocin und belohnt seinen Besitzer mit einem “Hundeblick”, was wiederum zu mehr Fürsorge und Kontakt führt.

Tierische Therapie: Oxytocin als Medikament?
Bei der Therapie einiger Krankheiten kann die besondere Wirkung von Oxytocin eine wichtige Rolle spielen. Depressionen oder soziale Störungen wie Autismus senken bei Betroffenen häufig das Vertrauen in andere Menschen und die Umwelt. Das Vertrauen und die Bindung zu anderen Menschen kann gefördert werden, indem durch Interaktionen mit Hunden die Oxytocin-Ausschüttung angeregt wird. Der Besitz eines Hundes fördert also nicht nur das allgemeine Wohlbefinden, sondern kann bei bestimmten Krankheiten auch eine Form der natürlichen Therapie darstellen.

Allerdings wurden noch nicht alle Wirkungsmechanismen des Hormons erforscht, weshalb es noch nicht gezielt als Medikament eingesetzt werden kann. Derzeit läuft die weitere Forschung, wie man mit Assistenz- oder Therapiehunden und einer Erhöhung des Oxytocins bestimmte Krankheiten behandeln kann.

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